Vogel zeigt Missstände und Lösungen auf

Florian Vogel im Dialog mit Rothenburgerinnen und Rothenburgern

Bei der sechsten Auflage seiner Gesprächsreihe „Vogelperspektiven“ benennt Florian Vogel deutlich, wo er Handlungsbedarf sieht – und wie Rothenburg gemeinsam mehr erreichen kann.

Die sechste „Vogelperspektive“ im Gasthaus Ochsen begann, wie man es inzwischen von OB-Kandidat Florian Vogel kennt: offen, dialogorientiert und mit der Einladung, jederzeit Fragen zu stellen. „Es ist wichtig, dass ich mitbekomme, was Sie von der Stadt erwarten, sagte er gleich zu Beginn – ein Satz, der den Ton des Weiteren Abends vorgab. Moderator Dominic Brochier sprach von einem Abend, der ein breites Themenspektrum zulässt, und tatsächlich entwickelte sich ein Gespräch, das von persönlichen Beweggründen bis zu sehr konkreten Zukunftsfragen reichte.

Auf die Frage, was ihn motiviert habe, Oberbürgermeisterkandidat zu werden, antwortete Vogel, Rothenburg habe ihn „nie losgelassen. Und obwohl er mehrere Jahre als Forstbetriebsleiter in Rothenbuch im Spessart tätig war, sei die Verbindung zur Heimatstadt nie abgerissen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass seine Kandidatur kein Karriereschritt ist, sondern ein Bruch mit einer erfolgreichen Laufbahn in den Bayerischen Staatsforsten. „Als OB würde diese Karriere beendet, erklärte er. Ein Schritt, der ihm nach zwanzig Jahren bei den Bayerischen Staatsforsten nicht leichtfalle, den er aber aus Verantwortung für seine Heimatstadt gehen will.

Was hat Vogel bewogen zu kandidieren? Der Blick von außen und innen zugleich. Als Forstbetriebsleiter in Rothenbuch war er regelmäßig in Rothenburg und habe „schleichende Veränderungen“ wahrgenommen – Leerstände, Wohnungsnot und die Infragestellung der Klinik. „Es hat sich etwas verändert – nicht zum Besseren, fasste er zusammen. Das Krankenhaus sei für ihn ein emotionales Thema: „Ich bin dort geboren, und ich habe dort das letzte Mal meine Großmutter gesehen.“ Die Art, wie über die Zukunft der Klinik diskutiert worden sei, habe die Stimmung in der Stadt spürbar verschlechtert.

Florian Vogel sprach auch über die kleinen Dinge im Stadtbild, die für ihn symptomatisch für die Fehlentwicklungen sind: Zunehmender Wildwuchs in der Stadt, ein „trister Kreisverkehr, der heruntergekommene Bahnhof – genau die Orte, die hunderttausende Touristen jedes Jahr als Erstes zu sehen bekämen. Er berichtete von seinem Austausch mit der Deutschen Bahn: „Die Deutsche Bahn ist immer bereit, mit Kommunen zusammenzuarbeiten, wenn es ein Konzept gibt.“ Vogel skizzierte, wie ein solches aussehen könnte: eine beheizte Wartehalle mit Inklusionskaffee, Fahrradstellplätze, dazu im Gebäude Platz für Proberäume der Vereine.

Aus der Stadt hätten ihn viele Anrufe erreicht, berichtete Vogel, vor allem zum Verkehr in der Altstadt. Die Klage sei immer dieselbe: Die Situation werde immer schlimmer. „Ich möchte die Stadt nicht stilllegen, stellte er klar, es gebe genügend berechtigten Verkehr. „Aber was ich nicht will, ist dieser Durchgangsverkehr.“ Auf einen Zwischenruf „Verbieten!“ aus dem Publikum reagierte er deutlich: „Das ist mit mir nicht möglich.“ Eine Frau, ehemalige Einzelhändlerin, erinnerte daran, dass beim Thema Verkehrsberuhigung schon viele Worte gewechselt worden seien und dass man den Handel nicht vergessen dürfe: Wenn wirklich nur noch Fußgänger in die Altstadt dürften, könne man „den Handel in die Tonne treten. Vogel widersprach nicht, sondern betonte: „Der Einzelhandel und die Unternehmer in Rothenburg liegen mir wirklich am Herzen.“

Gleichzeitig plädierte Vogel dafür, nicht in der Endlosschleife der Debatten zu bleiben, sondern konkrete Versuche zu wagen. Eine Einbahnstraßenregelung sei ein Beispiel: „Warum muss ich beim Röderturm raus und reinfahren können? Man muss es halt mal ausprobieren.“ Wichtig sei ihm, dass Verkehrsänderungen nicht „von oben oktroyiert“ würden, sondern gemeinsam mit den Altstadtbewohnerinnen und -bewohnern entwickelt werden. Zugleich machte er klar, dass es mit einer Verkehrsreduzierung allein nicht getan sei: Es brauche daher ein Gesamtkonzept für die Verkehrsführung, in das auch die verschärfte Parksituation einbezogen wird. Wer sich an die Wochenenden vor Weihnachten erinnere, wisse, wovon er spreche – „das war ein Verkehrschaos.

Moderator Brochier griff den Faden auf und fragte nach: Dass es viele Themen gebe, sei deutlich geworden – aber warum wolle Vogel genau jetzt Oberbürgermeister werden? Vogel antwortete, er fühle sich mit 48 Jahren in einem Alter, in dem er die nötige Erfahrung gesammelt habe – fachlich, menschlich und in der Führung von Menschen. Es brauche jemanden, „der den Willen hat, die politischen Kontakte und über Reife verfügt. Vor allem aber habe er „eine Idee für Rothenburg.

An dieser Stelle nahm er Bezug auf seinen Kampagnenslogan: „‚Rothenburg kann mehr‘ –– davon bin ich auch felsenfest überzeugt.“ Rothenburg funktioniere nur als Gemeinschaft, angefangen beim Oberbürgermeister und den Stadträten bis hinein in die Bürgerschaft. Es brauche einen OB, der es verstehe, die unterschiedlichen Strömungen im Stadtrat zu bündeln und Kompromisse zu schließen. „Das ist keine One-Man-Show, sagte er. Er wünsche sich mehr Transparenz – für den Stadtrat, damit dieser Entscheidungen fundiert treffen könne, und für die Bevölkerung. Das heiße: kommunizieren. Die Informationspolitik der Stadt müsse besser werden, die Mittel seien bereits da – die sozialen Medien und eine Homepage, auf der Infos mit wenigen Klicks abrufbar seien.

Dann wandte er sich den Bürgerinnen und Bürgern zu, dem „Fundament der Stadt. Er wünsche sich eine Bürgerschaft, die sich traue und den Mut habe, sich für ein „lebenswertes Rothenburg“ einzubringen. Eine Stadt, in der die Menschen gerne leben – und in der auch der Tourismus ein wichtiger Teil sei. Er sei überzeugt: „Wenn wir uns in Rothenburg wohlfühlen, dann tun es unsere Gäste auch.“

Neben Gastronomie und Tourismus brauche es aber weitere Begegnungsorte. Ein optimales Gebäude dafür sieht er im ehemaligen Goethe-Institut. Vogel skizzierte ein Konzept: ein Haus, in dem Unternehmer Coworking Möglichkeiten finden, Künstlerinnen und Künstler kreativ sein können, ein Ort, an dem sich die Rothenburger begegnen. Klar sei aber auch: Die Stadt allein werde es nicht stemmen können. Es brauche eine breite Trägerschaft, man müsse sich mit Vereinen und Institutionen zusammensetzen. Aufgabe der Stadt sei es, zu ermöglichen – „für Rothenburg.

Ein wichtiges Thema für Vogel sind Photovoltaikanlagen in der Altstadt. Er verwies auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Ansbach, das PV-Anlagen in der Altstadt für unzulässig erklärt und damit die Baugestaltungssatzung von 2011 bestätigt habe. Die Klage von zwei Rothenburgern sei abgewiesen worden, faktisch werde PV damit verunmöglicht. „Das lässt die Bewohner in der Altstadt allein, sagte er. Stattdessen frage er sich, warum man nicht – wie andere Städte – gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege einen Solarrahmenplan erarbeite. Ein solcher könne klar definieren, wo PV möglich sei und wo nicht. „Denkmalschutz darf nicht zum Verhinderer für modernes Leben werden, brachte er seine Haltung auf den Punkt.

Immer wieder kam Vogel auf den Gedanken zurück, dass eine Stadt nicht nur reagieren, sondern agieren müsse. Es gehe um Zukunftskonzepte und um die Frage: „Wie wollen wir in zwanzig oder dreißig Jahren in Rothenburg leben?“ Aufgabe eines Oberbürgermeisters sei es, eine nachhaltige Zukunft für Stadt und Bürger zu entwickeln. Dazu gehörten Arbeitsplätze, Wohnraum und eine gute Gesundheitsversorgung.

Beim Thema Wirtschaft wurde er sehr deutlich: Wirtschaft müsse Chefsache sein. Der OB müsse sich darum kümmern, dass die Stadt eine florierende Wirtschaft habe, damit Einnahmen generiert und Arbeitsplätze gesichert würden – „sonst können wir uns nichts leisten. Er erzählte vom Unternehmertag in Triesdorf im vergangenen Sommer, einem großen Netzwerktreffen mit 400 Unternehmern, bei dem „alles da war, was Rang und Namen hat – Oberbürgermeister, Landräte…“. Der Oberbürgermeister aus Rothenburg habe jedoch gefehlt. „Es gibt Termine, da muss der Chef hin, da kann ich keinen Stellvertreter schicken, sagte Vogel. Das seien wichtige Termine, bei denen man Unternehmer treffe, die vielleicht nach Rothenburg kommen wollten. Gleichzeitig müsse man sich besser um die Bestandsunternehmen kümmern. Wie schnell sich Dinge verändern, zeige der Fall Lechner mit dem Wegfall von 600 Arbeitsplätzen.

Vogel sprach auch über die Synergien mit dem Umland. Die Umlandgemeinden bräuchten Rothenburg – aber auch Rothenburg brauche sie: Menschen kämen zum Einkaufen, schickten ihre Kinder in die Schulen, gingen hier zum Arzt. Es gebe Möglichkeiten, gemeinsam zu handeln, etwa über den Zweckverband Endsee. Rothenburg selbst habe wenig Industrieflächen, deshalb müsse man sich mit den Gemeinden zusammentun, wenn man Gewerbe ansiedeln wolle. Das Verhältnis zwischen Rothenburg und den Umlandgemeinden sei derzeit „katastrophal schlecht, sagte er offen. „Wir sollten als Stadt nicht streiten, sondern versöhnen. Rothenburg ob der Tauber sollte als verlässlicher Partner wahrgenommen werden. Mit Vertrauen schaffe ich Erfolg, sagte er – dieses Vertrauen müsse man aufbauen, zu den Gemeinden wie zu den Unternehmen.

In der Fragerunde meldete sich ein Zuschauer aus dem Publikum zu Wort: Das Krankenhaus sei ein Thema, das allen unter den Nägeln brenne, auch ihm persönlich. Vogel berichtete, dass er im Vorfeld mit Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften gesprochen habe und deren Auffassung teile, dass die Situation im Krankenhaus schwierig sei. Wenn man sechs Jahre zurückblicke, sehe man, dass Gynäkologie, Herzkatheterlabor, kardiologische Station – „alles scheibchenweise abgeschaltet worden ist. Sorgen seien deshalb nachvollziebar. „Abwarten und Zuschauen reicht nicht, sagte er. Man müsse die Entscheider davon überzeugen, dass es wichtig sei, das Krankenhaus zu erhalten – zumindest in der jetzigen Form. Mit zwei Millionen Touristen, einem großen Festival und 11.000 Einwohnern brauche Rothenburg dieses Krankenhaus.

Ein Herzensthema Vogels ist die Teilhabe in Rothenburg. Er sprach von den vielen Vereinen, Institutionen und privaten Initiativen, die „wirklich eine tragende Säule unserer Stadtgesellschaft“ seien und oft scheiternde oder nicht vorhandene staatliche Initiativen auffingen. Es brauche dringend Konzepte für Anerkennung, Förderung und Entlastung.

Er wolle versuchen, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, damit Kinder aus wirtschaftlich schwächeren Verhältnissen am sozialen Leben der Stadt teilhaben k
ö
nnten. Die Stadt solle Schirmherrin werden. „Die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen der Stadt wird ganz entscheidend unser aller Zukunft prägen
, sagte er. „Die Investition in die Kinder ist die größte Investition, die wir in die Daseinsfürsorge unserer Stadt machen können.“ Doch es gehe ihm auch um die Menschen, die die Stadt aufgebaut hätten. Der Bürgerbus sei eine tolle Idee, aber zeitlich begrenzt – von 8 bis 17 Uhr. „Was machen ältere Menschen, die nicht mobil sind, danach?, fragte er. Er könne sich ein Angebot vorstellen: einen Kulturbus, getragen von einem Verein, mit ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern. So könnten Menschen, die nicht mehr mobil seien, am kulturellen Leben der Stadt teilhaben.

Die „Vogelperspektive“ im Ochsen zeigte einmal mehr einen Kandidaten, der Missstände klar benennt, konkrete Lösungen formuliert und immer wieder betont, dass Rothenburg seine Zukunft nur gemeinsam gestalten kann – mit einer Stadt, die nicht verhindert, sondern ermöglicht.

22. Januar 2026