Florian Vogel im Dialog mit Rothenburgerinnen und Rothenburgern
Bei der Auftaktveranstaltung seiner Gesprächsreihe „Vogelperspektiven“ im Restaurant Roma hat OB-Kandidat Florian Vogel seine Positionen vorgestellt – von Tourismus bis Leben und Wohnen.
Bis auf den letzten Platz war das italienische Restaurant Roma in Rothenburg ob der Tauber gefüllt, als der designierte OB-Kandidat Florian Vogel am Dienstagabend zur ersten Ausgabe seiner Gesprächsreihe „Vogelperspektiven“ einlud. Unter der Moderation von Dominic Brochier entwickelte sich ein intensiver Austausch über die Zukunft der Stadt – mit vielen Ideen, klaren Botschaften und kritischen Fragen aus dem Publikum. Schon die Begrüßung machte deutlich: Hier möchte jemand nicht nur reden, sondern aktiv gestalten. „Ich bin überzeugt, dass diese Wahl wirklich etwas Positives für Rothenburg bewirken kann“, betonte Vogel.
„Ich habe Rothenburg nie aus den Augen verloren“, eröffnete Vogel den Abend. Der 48-jährige Forstbetriebsleiter wurde in der Stadt geboren und obwohl es ihn für seine berufliche Laufbahn in die Ferne zog, blieb er eng mit seiner Heimatstadt verbunden. „Der Erstwohnsitz meiner Frau und mir war immer Rothenburg“, betont Vogel. In dieser Zeit war er auch in der Stadtgesellschaft aktiv. Seit 20 Jahren ist er Umweltbeauftragter des Taubertal-Festivals und seit bald zehn Jahren verkörpert er beim Bühnenstück „Der Meistertrunk“ des Historischen Festspiels die Figur des Bürgermeisters Johann Bezold. „Ich bin Vollblut-Rothenburger und möchte meine Erfahrung gerne in den Dienst der Stadt stellen“, betonte Vogel und machte klar: „Es braucht einen Oberbürgermeister, der unterschiedliche Meinungen vereint und transparent kommuniziert.“
Schon in seiner Begrüßung der Gäste machte Vogel deutlich, warum er antritt: Er spürt seit einiger Zeit eine wachsende Verunsicherung in der Bürgerschaft. „Das Krankenhaus wird infrage gestellt, Leerstände in der Stadt nehmen zu, und viele Menschen haben das Gefühl, dass Entscheidungen hinter verschlossenen Türen gefällt werden.“ Dabei habe Rothenburg viel zu bieten – großartige Institutionen, Veranstaltungen und engagierte Bürger. Dieses Potential müssten OB und Stadtrat allerdings nutzen.
Ein Schwerpunkt des Abends kreiste um die Frage, wie Rothenburg sich für die Zukunft aufstellen kann – mit Fokus auf die Themen Tourismus und Leben. Der OB-Kandidat warb für eine neue Fehlerkultur, die Ideen zulasse und nicht verhindere: „Für eine nachhaltige Zukunft brauchen wir kreative Ideen. Und wer sich nicht traut auch mal Fehler zu machen, wird nie vorankommen.“ Rothenburg solle eine Stadt sein, die nicht bremst, sondern ermöglicht – offen, mutig und bürgernah. Ideen und Bürgerbeteiligung müssten Hand in Hand gehen.
Beim Verkehr sieht Vogel den Bahnhof als Aushängeschild der Stadt. Doch dieser sei in seinem Erscheinungsbild unattraktiv. Seine konkreten Vorschläge: Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, ein kleines Café und Räume für Vereine und Gruppen. Er habe bereits mit einer Vertreterin der Deutschen Bahn gesprochen. Ihre Aussage: Die Deutsche Bahn sei gerne bereit gemeinsam mit Kommunen an der Verbesserung der Bahnhöfe zu arbeiten, wenn diese Ideen vorlegten. „Dafür braucht es aber erstmal ein Konzept“, stellte Vogel heraus. Auch die Altstadt könnte laut Vogel attraktiver sein. Eine erweiterte Fußgängerzone würde die Aufenthaltsqualität steigern und die Lärmbelastung durch Autos für die Anwohner reduzieren.
Beim Denkmalschutz plädierte er für mehr Augenmaß: „Er schützt unsere Identität, darf aber die Entwicklung nicht ausbremsen.“ Ein Solarkataster soll Klarheit schaffen, wo Photovoltaik möglich ist und wo nicht. „Kein kategorisches Nein zu PV“, betonte Vogel. Für die energetische Transformation sieht er Chancen in Nah- und Fernwärme, aber auch in der Nutzung von regional erzeugtem Biogas.
Vogel begrüßte die Begrünung der Altstadt, sie diene den Menschen als Hitzeschutz. Er möchte unbürokratisch Bäume pflanzen lassen. Zum Thema E-Mobilität prognostizierte er: „In zehn Jahren wird fast jedes Auto elektrisch sein“, und forderte ein Konzept für Ladepunkte. „Wir müssen kreativ sein, wenn wir die Stadt weiterentwickeln wollen.“
Auch die wirtschaftliche Entwicklung und der Wohnungsmarkt waren zentrale Punkte des Dialogs. „Wirtschaftspolitik ist Chefsache“, betonte der OB-Kandidat. Investoren müssten sich wohlfühlen, Fachkräften bräuchten attraktiven Wohnraum. Vogel stellte fest, dass neue Wohnungen oft zu klein seien und Familien nicht ansprechen. „Wir müssen Anreize schaffen, damit Altbestand saniert wird“, so der 48-Jährige. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung einer aktiven Standortpolitik: „Wir brauchen Menschen, die hier investieren und dafür müssen wir die Rahmenbedingungen schaffen.“
Ein weiteres großes Thema war die Bürgerbeteiligung. Vogel will Bürgersprechstunden wieder einführen und Ortsteilbegehungen reaktivieren. Ein Ratsinformationssystem und eine überarbeitete Website sollen Entscheidungen des Gemeinderats nachvollziehbar und transparent machen. „Mehr Demokratie wagen“, sagte Vogel. Transparenz sei für ihn eine Führungsaufgabe: „Die Bevölkerung muss zeitnah mitbekommen, was der Rat beschließt.“
Darüber hinaus möchte Vogel Rothenburg als Marke stärken. Die Stadt solle ihren Charakter als touristisches Highlight weiter ausbauen aber auch als Einkaufsstadt attraktiver gemacht werden. „Aus einem Kulturerlebnis auch ein Einkaufserlebnis machen“, erklärte Vogel. Kultur und Freizeitangebote sieht er als Schlüssel für eine lebenswerte Stadt. Diese müssten auch junge Menschen und Familien ansprechen.
Die Diskussion mit den Bürgern zeigte, wie vielfältig die Erwartungen sind. Eine Frau schilderte, dass manche Straßenzüge nachts dunkel blieben. Vogel sagte deutlich: „An diese Ecken müssen wir ran, diese gefühlte Unsicherheit müssen wir ernst nehmen.“ Mithilfe von LED-Beleuchtung ließe sich dem Problem kostensparend beikommen. Ein Bürger bemängelte, dass es für junge Menschen zu wenig Angebote gebe. Vogel entwarf die Idee eines Generationen- und Begegnungshauses im ehemaligen Goethe-Institut – mit Büros für junge Gründer, offenen Bühnen für Nachwuchskünstler und Seminarräume für Vereine. Auch die Gastronomie-Öffnungszeiten kamen zur Sprache: Soll die Sperrstunde von 22 auf 23 Uhr verlängert werden? Der OB-Kandidat zeigte Verständnis für Anwohner und Gäste gleichermaßen und plädierte für einen Kompromiss am Wochenende.
Zum Ende des Abends beantwortete Vogel die Frage nach seiner Parteizugehörigkeit: „Ich kandidiere für die CSU, aber für mich zählt Rothenburg und seine Menschen, kein Parteiprogramm.“ Neben der OB-Wahl am 8. März tritt er auf Listenplatz 35 für den Kreistag an – „denn die Interessen Rothenburgs werden nicht nur am Marktplatz 1 verteidigt.“
Zum Kandidaten:
Nach dem Abitur am Reichsstadtgymnasium und dem Zivildienst in der Rothenburger Jugendherberge studierte Florian Vogel von 1999 bis 2003 Forstwissenschaften an der Technischen Universität München in Freising und legte anschließend die große forstliche Staatsprüfung ab. 2005 trat er in den Dienst der Bayerischen Staatsforsten ein, zunächst als Mitarbeiter der Forsteinrichtung.
2013 übernahm Vogel die Position des stellvertretenden Forstbetriebsleiters in Rothenburg, bevor er 2017 die Leitung des Spessart-Forstbetriebs in Rothenbuch übernahm. Nach acht Jahren kehrte er zum Jahreswechsel als Forstbetriebsleiter nach Rothenburg zurück.
11. November 2025